Telekolleg-Newsletter vom 2009-05-15


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Im letzten Newsletter habe ich eine kleine Aufgabe gestellt. Was fanden Sie für eine Lösung? Einfach oder schwer?
1. Text: hier liegt eine auktoriale Erzählsituation vor: es wird in der Vergangenheit erzählt, der Erzähler mischt sich ein und nimmt Stellung „Das war noch niemals geschehen…“

2. Text: hier liegt eine personale Erzählsituation vor oder doch eine auktoriale? Es wir wieder in der Vergangenheit erzählt, aber nicht kommentiert, sondern beschrieben. Man könnte meinen, der Erzähler schaut durch Baltus Powenz hindurch und beschreibt sich diesen aus einer Innenperspektive. Sie könnten aber genauso gut argumentieren, der Erzähler beobachtet Baltus Powenz und liefert eine genaue Beschreibung. Beides ist wohl erlaubt und nur der Fortgang der Erzählung kann genauen Aufschluss geben.

Warum also eine Beschäftigung mit den Erzählperspektiven? Der Wechsel der Perspektiven z.B. zeigt auch eine Wendung in der Erzählperspektive, deutet daraufhin, dass der Erzähler auf Veränderung hinweist.
Dies kann die Interpretationsaussage erleichtern, die Argumentation unterstützen.

Waren wir gerade noch bei der Epik, so erwartet uns in der nächsten Lektion eine weitere Form der Literatur, das Drama, besser gesagt die dramatischen Texte, alles Texte, die dialogisch geschrieben, d.h., auf der Bühne aufführbar, von der Tragödie bis zur Komödie. So ist es zum einen die Thematik, die unser Interesse am Theater weckt, zum anderen muss Sie aber auch die Theorie, die der Entwicklung der dramatischen Texte zugrunde gelegt wird, interessieren.
Beginnen wir unsere Überlegungen in der Antike, mit der griechischen Tragödie und
enden beim zeitgenössischen Theater:
zeitliche Einordnung: Aristoteles – Brecht - Beckett
Von Aristoteles, der eine erste Dramentheorie entwickelte über Lessing, der den mitleidenden
Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes wollte über Brecht und seine Theorie des epischen
Theaters bis hin zum Theater der Gegenwart, das freie Fahrt für jede Experimentierkunst fordert und damit oft die Zuschauenden überfordert. Legt Aristoteles noch Wert auf die
Einheit von Ort, Zeit und Handlung
so fordert Lessing, geprägt von der Aufklärung,
neue Stoffe für das Theater,
nämlich anstelle der mythologischen die bürgerlichen Stoffe und schon ist das bürgerliche Trauerspiel entstanden, das den Bürger und die Bürgerin zu Helden und Heldinnen macht und die Götter und Helden der Antike hinter sich lässt. Die Entwicklung lässt sich bekanntermaßen nicht aufhalten und so entwickelt B. Brecht das Episches Theater und macht sehr deutlich, wie wenig die einzelnen Gattungen und Theorien und Aspekte im Schaffen der Literaten getrennt, viel besser vermischt werden.
Zuletzt das schwierige Unternehmen zeitgenössisches Theater und seine Wahrnehmung, die bekanntermaßen schwierig ist, denn hier wird gewohntes Terrain verlassen und sehr oft sehr experimentiert und damit provoziert. Die Tradition der Weimarer Zeit kann nicht aufrecht erhalten bleiben nach den Eindrücken des Zweiten Weltkrieges und der Diktatur der Nationalsozialisten.
Im Arbeitsbogen 4-6 beschäftigt sich die letzte Aufgabe mit dem epischen Theater B. Brechts.
Brecht distanziert sich von Gefühlen und Erlebnissen, die die Zuschauer und Zuschauerrinnen aus dem Theater mitnehmen sollen. Er vermittelt vielmehr Einsichten, Kenntnisse und erzwingt Entscheidungen, Auseinandersetzung, ganz unter dem Motto: Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Denken.
Im Text beklagt sich Shen Te über Ihren Konflikt:
Die Frage hierzu: Ein hartes Urteil über unsere Gesellschaft. Stimmen Sie dieser Meinung zu?
bedarf meines Erachtens der Erläuterung. Das entscheidende Wort in der Fragestellung der Autorin scheint mir das Wort unsere zu sein, denn damit ist schon der Transfer auf die heutige Gesellschaft gefordert .Meiner Meinung nach müsste der Hinweis gegeben werden, dass das Experiment gescheitert ist, der Beweis misslungen, wenn auch die Götter es nicht wahrhaben wollen, denn sie sagen zuvor:
Sollen wir eingestehen, dass unsere Gebote tödlich sind?.....Niemals! Soll die Welt geändert
werden? Wie? Von wem? Nein es ist alles in Ordnung“
Die Götter verabschieden sich mit einem Leb wohl, mach gut und lassen Shen Te mit dem
bzw. ihrem ungelösten Konflikt zurück.
Hier greift Brechts episches Theater: es gibt kein tragisches Ende, der Konflikt ist nicht
unauflösbar-schicksalhaft. Zwar ist das Experiment gescheitert, aber nur im Spiel, die Wirklichkeit liegt jenseits der Bühne, die Zuschauer und Zuschauerrinnen müssen aus dem
Scheitern des Spiels die Konsequenz für die Wirklichkeit ziehen. Die Brücke wird im Epilog
geschlagen (Text im Buch S.118):
Verehrtes Publikum. Los, such dir selbst den Schluß! Es muß ein guter da sein, muß, muß, muß!
Etwas muss falsch sein an eurer Welt, sagt noch Shen Te und sie braucht das Publikum, das aufgefordert ist ihr zu helfen.
Das wäre die Auseinandersetzung mit dem Text, am Text und mit dem Text durch den Rückbezug. Jetzt erst kann die Auseinandersetzung damit
beginnen, was war laut Brecht falsch an der Welt der Zweiten Weltkrieges und der Welt der
Vierziger Jahre, denn das Stück wurde bekanntlich 1943 in Zürich uraufgeführt.
Erst die Frage nach der zeitgenössischen Relevanz, lässt meines Erachtens die Frage nach dem Urteil über unserer Gesellschaft zu. Denn zunächst ist es nicht unsere Gesellschaft, mit
der sich B. Brecht auseinandersetzt. Jetzt greifen meine Gedanken, die darauf abzielen, welche Welt des Autors oder der Autorin treffen auf welche Welt der Lesenden oder Sehenden.
Und dann kann die Analyse und argumentatorische Interpretation unserer Gesellschaft beginnen, mit der Antwort auf die Frage nach der Relevanz des Stückes für die heutigen Zuschauer und Zuschauerrinnen.
B.Booz

03.05.09
 
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Dear Telekolleg students,
What did you think of the interesting text in ‘Arbeitsbogen 10 –13?
I think that Susan Sampson is a very brave young woman. MEASON MOTORS told her that she could start an apprenticeship in September and then they gave the position of apprentice to a 16-year-old boy. Many women in her position would say: “ That was bad luck.” But Susan went to an industrial tribunal and got 20,000 pounds compensation for loss of earnings because the tribunal was convinced that she was not offered the apprenticeship purely because of her sex.

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